Seasons End 2004 – Ein Regattawochenende auf der Alster

Mit dem Folke Junior “Maltorle” in Hamburgs Zentrum

Für die meisten Segler ist die Alster ein vom Namen her wohlbekanntes, aber nie befahrenes Revier. Anders verhält es sich mit den Anhängern des Folke Juniors. Zum zweiten Mal fand in diesem Jahr am letzten Augustwochenende dort unsere Klassenregatta SEASONS END statt. Im Folgenden soll nun nicht nur in herkömmlicher Weise über eine Regatta berichtet werden, sondern es werden Eindrücke und Erlebnisse wiedergegeben, die dieses besondere Revier mit sich bringt.

Das Erlebnis Alster beginnt schon bei der Anreise. Von Süden anreisend, sollte man auf gar keinen Fall die Standardstrecke Richtung Zentrum über den Hauptbahnhof nehmen. Da man dann in der falschen Richtung kommt, kann man der Gurlittinsel mit dem veranstaltenden HSC nur resigniert zuwinken. Ein Wenden mit dem Trailer auf der Kupplung ist in Hamburgs Zentrum eine nicht zu empfehlende Aufgabe der ganz besonderen Art.

Also Stadtplan raus, und andere Taktik einschlagen. Der Beifahrer übernimmt sie wie der Mittelmann auf der Bahn. Es geht nun Richtung Alster Schwimmhalle über die Sechslingspforte. Dort am Ende angelangt, ein Kurswechsel nach Backbord und an der Steuerbordseite liegt die Alster in ihrer ganzen Schönheit neben einem.

Damit ist man zwar am Ziel, aber noch nicht angekommen. Die Überwindung einer kleinen, engen Brücke steht nun als nächste Aufgabe bevor. Als ich das erste Mal dort anreiste, wagte ich trotz ihrer statisch günstigen Wölbung nach oben nicht, sie mit meinem Gespann zu überqueren. Also meine Frau zur Erkundung losgeschickt, während ich mit eingeschalteter Warnblinkanlage den Zorn der Hamburger Autofahrer erdulden musste. Ich konnte sie zwar nicht hören, aber ihre Gesten waren eindeutig. Zurück kam meine Angetraute mit der Information, dass am Steg Drachen lägen. Da die ja auch dorthin gekommen sein müssen, konnte ich mit meinem vergleichsweise kleinen Folke Junior die Überquerung wagen.

Aber halt, das ist einfacher gesagt als getan. Mindestens von der Mittelspur aus muss man in einem Bogen den Engpass ansteuern, sonst fährt man sich unweigerlich am Brückengeländer fest. Da man am Freitagmittag auf der Straße “An der Alster” nicht alleine ist, muss man auch hier taktisch klug vorgehen. Mir eingeschalteter Warnblinkanlage langsam rechts fahren, die bösen Blicke der anderen Verkehrsteilnehmer nicht beachten und bei einer günstigen Ampelschaltung – den Fußgängern sei Dank – nach links ziehen und den Kurs auf die Brücke absetzen.

Steht man nun gerade vor der Brücke und will sie mit der gebotenen Vorsicht überqueren – 2 cm Luft auf jeder Seite – kommen von links und rechts keuchende Jogger und radfahrende Stadtbürger. Natürlich werden sie von einem kriechenden Gespann in ihrem sportlichen Tatendrang und Rythmus gestört und je nach Mentalität hört man sich nun aber zum letzten Mal einige “nette” Worte an.

Und dann ist es geschafft! Man rollt auf den kleinen Platz vor dem Clubhaus und genießt erst einmal verschnaufend den herrlichen Blick auf die Alster, der für Vieles entschädigt. Kranen und Auftakeln ist dann Routine und am Sonnabendmorgen beginnt mit dem Einchecken der Ernst des Regattalebens. Als besondere Geste werden wir mit von der Familie Reincke gestifteten Polo-Shirts mit dem SEASONS END-Logo sehr hübsch eingekleidet.

Dann erlebt man eine weitere Besonderheit der Alstersegelei. Aufgrund ihrer geographischen Verhältnisse lassen sich nur in Ausnahmefällen Dreiecks- oder Up and Down-Kurse segeln. Also bekommt man eine Bahnkarte mit je nach Windrichtung 12 verschiedenen Bahnen. Die zu rundenden Alstertonnen tragen nicht die einfachen Buchstaben A, B oder C, nein, sie haben Nummern und so wohlklingende Namen wie Schwanenwik, Rabenstraße oder Fontenay. Wichtiges Utensil an Bord ist ein Kuli, damit man die bis zu 15 Tonnen “abhaken” kann. Ziel ist stets der Steg beim HSC.

An Sonnabend um 13.00 Uhr ging es dann los. Unsere 15 Boote starteten nach den H-Jollen, Sharpies und Zugvögeln. Besonders erfreulich war die Teilnahme von 5 dänischen Booten, die die weite Anreise bis aus Frederikshavn nicht gescheut hatten. So schmückte eine wahrhaft große Gastflagge den Flaggenmast des HSC.

Der NRV veranstaltete zur gleichen Zeit eine Optimistenregatta, und auch viele Freizeitsegler bevölkerten die Alster bei dem schönen Wetter. Sie war richtig voll und ließ keine Unaufmersamkeit zu. Den Kids in ihren Optis machte es offenbar Spaß, uns ihre Segelfertigkeit zu beweisen. Erst kurz vor uns wendeten sie, und ich erinnere mich an den stolzen Blick eines Knirpses, der sein Manöver mit den Worten: “Geil, was?” kommentierte. Aber alle sind heil über den Kurs gekommen, was für die Fairnis der Teilnehmer spricht. Die Alster zeigte das ganze Wochenende wie so häufig ihr launisches Gesicht. Windlöcher und örtliche Böen wechselten sich genauso ab wie Dreher mit über 20 Grad. So war es nie langweilig. In Führung liegend, konnte man sich unversehens auf einem hinteren Platz wiederfinden und umgekehrt, getreu dem Motto: mal verliert man, und mal gewinnt der andere. Wie es so ist, hatten natürlich immer die anderen die günstigeren Winde erwischt. Die Tonne “Holzdamm” bei der Kennedy-Brücke hat manchmal schon, nervlich bedingt, gesundheitsgefährdende Windverhältnisse.

Um auch den teilweise sehr alten Holzbooten (bis Baujahr 1935(!)) einen fairen Wettkampf zu ermöglichen, starteten wir mit unseren Folke Junioren zwar gemeinsam, gewertet aber wurde getrennt nach den Werkstoffen Holz und GFK. Der Gewinner der Gesamtwertung und des von Rosemarie Mai gestifteten SEASONS END-Pokals wurde über die Yardstickzahlen ermittelt. (Holz: 119, GFK: 123)

Zur Erinnerung an den Konstrukteur des Bootes hatte Kurt Schulze aus Essen eine Zeichnung wunderschön rahmen lassen und als Erik Salander-Wanderpreis für den Drittplatzierten der Holzbootwertung gestiftet.

Nach insgesamt 3 Wettfahrten unter der souveränen Leitung von Claus Dederke standen am Sonntagnachmittag die Preisträger fest. Bei den GFK-Booten siegte die Mannschaft um den dänischen Meister der beiden letzten Jahre Arne Jensen aus Frederikshavn vor der Crew um den früher sehr erfolgreichen FD- und H-Boot-Segler und Alsterfuchs Uwe Koglin vom HSC sowie der Mannschaft aus Horsens um Torben Pedersen. Klasse setzt sich eben auch unter diesen Bedingungen durch. Die Holzbootwertung gewann Thomas Dombrowski mit Wolfgang Warnholtz vor der Vater/Sohn-Mannschaft Kurt und Arend Schulze. Arne Jensen gewann auch das 2. Anrecht auf den SEASONS END-Pokal und der Erik Salander-Preis schmückt für ein Jahr das Heim von Norbert Job.

Fast noch wichtiger als die sportliche Seite war aber das gemeinsame nahezu familiäre Treffen des kleinen Kreises der Folke Junior-Anhänger. Viele Familienmannschaften waren am Start, und so manche Ehefrau und Mutter beobachtete ihren Anhang vom Clubhaus aus. Viele Freunde des kleinen Kielbootes kamen, um die Gemeinschaft kennenzulernen und sich Anregungen für ihr Boot zu holen. Auch der Grillabend am Sonnabend trug sehr zum Zusammgehörigkeitsgefühl bei.

Als letztes Highlight eines herrlichen Wochenendes gab es für jede Mannschaft eine von Rosemarie Mai gestiftete Flasche Rotwein, deren Etikett den jeweiligen Bootsnamen ziert. Eine wirklich sehr nette Geste.

Auch das Kranen der Boote lief trotz der beengten Verhältnisse wieder sehr harmonisch ab. Jeder half klassenübergreifend jedem, und danach ging es in das Hamburger Verkehrsgetümmel. Alle sind gut nach Hause gekommen, und werden SEASONS END 2004 in bester Erinnerung behalten. Die Alster ist eben doch etwas Besonderes.

von Hartwig Sulkiewicz


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Trunte Ry 2004

Ja, Ry ist jetzt auch schon wieder gewesen und damit ist die Saison 2004 nun auch zu Ende. Zumindestens was das Segeln in nördlichen Gefilden angeht. Im Mittelmeer geht die Saison ja noch etwas länger, aber darüber sollte dann vielleicht Jens Kofod berichten.

Meine Saison hat bereits im März mit einem Nordseetörn begonnen. Mit dem Juniorboot ging es erst Karfreitag los. Als wesentliche Veränderung in diesem Jahr habe ich das Segelrevier gewechselt. Bis zum letzten Jahr waren wir ja noch auf der Müritz. Doch hat die Krankheit meines Vaters und Miteigners sowie die doch sehr zeitaufwendige Anreise zur Müritz mit 3 Stunden mich dazu bewogen, Hartwigs (412) Ruf zu folgen und nach Bad Zwischenahn auf das Zwischenahner Meer zu gehen. Unseren ausländischen Freunden sei hiermit verraten, dass der Ausdruck Meer etwas irre führend ist, da der See in den Abmessungen in etwa dem Knudsee in Ry entspricht.

Die Entscheidung das Boot zu verlegen habe ich nicht bereut, zumal auch mein Freund Hannes von der H-Jolle auf das Juniorboot (420) umgestiegen ist und wir somit inzwischen mit drei Booten in Zwischenahn segeln.

Meine Regattasaison hat in Bönnerup begonnen, welche ich mit Erik und Alexander gesegelt bin. Eine echte Herausforderung, da ich bisher mit dem Juniorboot wenig auf See gesegelt bin und Erik zudem auch sehr streng mit mir war. Abends hat er kein Wort mehr mit mir gesprochen. Gewöhnungsbedürftig waren auch die Starts in dem harten Seegang, der wohl auch der Wettfahrtleitung hart zugesetzt hatte. Interessant wie viele Kombinationen von Flaggensignalen und Ankündigungssignalen es geben kann. Als Novum dürfte auch das Übernachten in Erik’s Wohnwagen gelten. Allen, die es nicht glauben wollen, man kann sich tatsächlich lang ausstrecken und braucht nicht in einer embryonalen Stellung die Nacht zu verbringen. Herzlichen Dank noch einmal an Erik an dieser Stelle.

Als nächste Veranstaltung folgte drei Wochen später bereits die DM in Skive. Hartwig und ich haben die Boote gleich in Ry gelassen, da es auf dem Weg lag und um die Boote nicht den weiten Weg hin und her schleppen zu müssen. In Dänemark kann man sein Boot ja tatsächlich noch stehen lassen. Bei uns hätte ich erst mal einkaufen gehen müssen, um die Ausrüstung wieder komplett zu machen.

Über Skive hat Hartwig bereits in der letzten Pust berichtet. Schade ist, dass die DM inzwischen immer schon Donnerstags beginnt. Das ist für die Dänen wahrscheinlich kein Problem, da die schon Ferien haben. Für uns ist immer die halbe Woche weg, da wir schon Mittwochs anreisen müssen. Da ist es schwierig, Vorschoter zu finden. Wir sind dann auch schon am Samstag nach den Rennen nach Hause gefahren, um unseren familiären Verpflichtungen nachzukommen, weshalb wir leider an dem Festessen nicht mehr teilnehmen konnten.

Der DM folgte eine lange Sommerpause in der ich wenig gesegelt bin, da unter anderem der Sommerurlaub mit der Familie anstand. Sehr zu Hartwigs Leidwesen, da ihm in der Zeit doch unsere hart gesegelten Matchs fehlten. Aber das konnten wir ja dann in Hamburg auf der Außenalster nachholen. Wie im letzten Jahr eine tolle Veranstaltung mit einem sagenhaften Ambiente, auch wenn es am Freitag beim Zuwasser lassen der Boote aus allen Löchern schiffte. Die Veranstaltung ging zu ende wie sie begann. Beim Ankuppeln des Hängers goß es wieder eimerweise. Ja, und dann konnte ich doch tatsächlich das erste mal eine Regatta vor Hartwig abschließen. Für mich persönlich in Anbetracht von Hartwigs großem seglerischen Geschick und seiner langjährigen Erfahrung ein gutes Gefühl. Es war übrigens das Wochenende, an dem die dänischen Handballdamen Olympiasieger geworden sind.

Nach Hamburg ist mein Boot bis Ry nicht mehr ins Wasser gegangen. Ihr braucht mich nicht zu bedauern. Ich bin dafür im Mittelmeer gesegelt. Die Umstellung war allerdings hart. Dienstag noch in Palermo bei 27 Grad und Sonne, Samstag dann in Ry bei 12 Grad und Regen. Mein Sonnenschein an Bord waren meine beiden Mädchen Kim (12) und Pia (10), die viel Geduld mit mir hatten. Die ging mir am Samstag bei den lauen Windbedingungen nämlich ab und zu etwas verloren. Aber den anderen Skippern ging es wahrscheinlich auch nicht besser.

Bereits im letzten Jahr bin ich mit Kim und Pia in Ry gesegelt, weil das Revier und die Regatta dafür einfach optimal sind. Angeregt wurde ich bereits 2001 durch Peter aus Silkeborg (410), der ebenfalls mit seinen Kindern segelt. Probiert es einfach mal ohne den sonstigen Ehrgeiz aus. Die zufriedenen Gesichter der Kinder sind mehr als Freude.

Ja, und Ry ist jetzt auch schon wieder gewesen. Die Trunte liegt nun da auf dem Hänger, eine Saison lang hart gesegelt und wartet darauf Winterfest gemacht zu werden. Schade, dass die Saison so kurz war. Der Winter wird lang werden. Am 1. April 2005 dürfen wir in Bad Zwischenahn die Boote wieder zu Wasser lassen. Das ist ein Freitag und wenn kein Schnee liegt, wißt Ihr was ich dann tue.

von Sven (405)


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